
Es gibt einen Wind in der Ägäis, der dich willkommen heißt, noch bevor du einen Fuß auf den Boden gesetzt hast.
Er ist da, wenn das Flugzeug stoppt und die Tür aufgeht — diese erste Sekunde auf der Gangway, vor dem Gepäck, vor dem Taxi, vor allem anderen. Eine trockene, warme Brise, die die Haut streift und einfach sagt: du bist da. Nach einem Flug aus den Niederlanden oder nach 2400 Kilometern Fahrt quer durch Europa fühlt er sich an wie eine Umarmung. Keine dramatische. Eine stille.
Das ist der Meltemi, so wie ich ihn kenne.
Der Meltemi ist ein Nordwind. Er entsteht aus dem Druckunterschied zwischen einem Hochdruckgebiet über dem Balkan und einem Tief an der anatolischen Küste. Er weht im Sommer, zwischen Juni und September, und am stärksten über der Ägäis. Auf den Kykladen ist er am deutlichsten zu spüren, auf Mykonos, Paros, Naxos.
Der Name kommt wahrscheinlich vom türkischen meltem, Seebrise. Im Griechischen hat er seinen eigenen Klang bekommen. Μελτέμι. Er klingt weich. Fast zärtlich, für etwas, das so weit reist.
Ich bin in Frankfurt aufgewachsen, als Tochter griechischer Eltern. Jeden Sommer fuhren wir nach Griechenland, zur Familie, ans Meer, in eine Welt, die Heimat war auf eine Art, die Frankfurt nie ganz wurde. So vertraut die Stadt auch war. Ich erinnere mich an die Wärme, das Zirpen der Grillen, dieses Blau, das es woanders nicht gibt.
Und an diese Brise.
Man bemerkt sie bei der Ankunft. Die Hitze des griechischen Sommers ist auch da, aber der Meltemi nimmt ihr den Stich. Er trocknet den Schweiß von der Haut. Er bewegt die Luft, ohne sie zu kühlen. Er riecht nach Salz, nach offenem Wasser und nach etwas, für das ich kein anderes Wort habe als dort.
Seit dreißig Jahren lebe ich in den Niederlanden. Breda ist mein Zuhause, wirklich, auf eine praktische und gelebte Weise. Aber es gibt immer diese andere Schicht. Diese andere Sprache, dieser andere Duft, diese andere Luft. Eine Brise, die man erkennt, noch bevor man merkt, dass man sie vermisst hat.
Den Namen meltemi habe ich für diese Website gewählt, weil er genau dieses Gefühl trägt.
Die Geschichten hier handeln von Griechenland, den Niederlanden, Deutschland. Vom Aufwachsen in Frankfurt als Kind griechischer Eltern. Von dreißig Jahren in den Niederlanden und von den Sommern, die immer wieder zum selben blauen Wasser zurückfanden. Von Essen und Reisen, von dem, was man mitnimmt, und dem, was man zurücklässt. Und davon, wie sich ein Kreis schließt — denn nach Jahren der Distanz entdecke ich Griechenland neu Ich komme jetzt oft. Ich habe eine Wohnung in Thessaloniki, neue Freunde, eine Stadt, die ich Stück für Stück kennenlerne. Über den Raum zwischen Welten, der keinen Namen hat, aber existiert, und der für Menschen wie mich sehr vertraut ist. Vielleicht mehr denn je auch Heimat. Der Meltemi ist für mich kein Symbol für Aufbruch oder Unruhe. Er ist das Gefühl der Ankunft. Der Wiedererkennung. Des Seins an einem Ort, der einem gehört.
Willkommen bei meltemiverhalen.


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