Der Duft der schweren Tür Nouvelle Nostalgie
Prolog: Die Schwelle zweier Welten
Wenn ich die Augen schließe und an den Anfang zurückdenke, höre ich immer zuerst das Geräusch dieser einen, bestimmten Tür. Eine schwere, massive Stahltür in der Basaltstraße in Frankfurt. Diese Tür war in meiner Kindheit weit mehr als nur ein Eingang zu unserer Wohnung. Sie war die harte, unerbittliche Grenze zwischen zwei vollständig verschiedenen Welten, die in nichts miteinander gemein hatten.
Auf der einen Seite lag die Welt des Pelzgeschäfts meiner Eltern. Eine Welt des Handwerks und der harten Arbeit, wo Pelzmäntel und -jacken an den Stangen hingen und griechische Volksmusik leise aus einem flachen, verstaubten Kassettenrecorder klang. Aber sobald ich drei Stufen hinaufstieg und diese schwere Stahltür hinter mir ins Schloss fiel, veränderte sich alles. Das sanfte, beruhigende metallische Geräusch des Schlosses war das Startsignal für eine warme, sinnliche Explosion. Ich trat dann unmittelbar in unser griechisches Zuhause ein, einen sicheren Hafen, der permanent und bedingungslos nach der heiligen Dreifaltigkeit unserer Kultur roch: Olivenöl, Zwiebeln und Knoblauch.
Hinter dieser schweren Tür lebten die Traditionen Thrakiens und die ungeschriebenen Gesetze der griechischen Gastfreundschaft, der Filoxenia. Es war der Ort, wo meine Mutter jeden Samstag treu ihr Hackfleisch knetete — für alle Fälle —, und wo mein Vater im Winter das Handwerk des Schlachthofs an den Küchentisch brachte. Wo Onkel Ilias mit seinem Ochsenkarren über die trockene Erde von Lagina fuhr, und wo die Gasflasche immer zum falschen Zeitpunkt leer wurde.
Dieses Buch ist der Bericht einer Reise, die hinter dieser Tür begann. Eine Reise, die mich über eine epische Autofahrt von 2400 Kilometern in einem olivgrünen Mercedes-Diesel in das stille Dorf Lagina brachte. Durch die Berge Österreichs und die Ebenen des damaligen Jugoslawiens, an den blühenden Oleanderbüschen bei der Grenze von Evzones vorbei, in das warme Abendlicht von Thessaloniki. Jedes Kapitel dieses Buches steht für eine Phase dieser Reise, und jedes Gericht ist eine Geschmackserinnerung, die untrennbar mit diesen Momenten verbunden ist.
Der Familiengarten im Dorf mag inzwischen von der Zeit überwuchert sein. Die Erinnerungen und die Geschmäcker sind es nicht. Sie sind sicher in mir aufbewahrt, bereit, geteilt zu werden.
Willkommen hinter der schweren Tür. Komm herein, setz dich und koste das Leben mit mir.
Καλώς ήρθατε.
Anthoula Sismani
Frankfurt — Thessaloniki — Breda


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